Unterstützung der Rehabilitation von Handgelenksfrakturen mit funktionalen Jonglage-Werkzeugen¶
Inspirál Circus Center - Budapest, Ungarn**
Geschrieben von Gallyas Veronika
Einleitung¶
Diese Fallstudie untersucht den Einsatz von Funktionaler Jonglage zur Unterstützung des Rehabilitationsprozesses einer 70-jährigen Frau nach einer Handgelenksfraktur. Die Arbeit erstreckte sich über einen dreimonatigen Zeitraum in Budapest, Ungarn, und war eine Zusammenarbeit zwischen der Patientin und einem Jonglage-Pädagogen, der in adaptiven Zirkuskünsten ausgebildet war. Ziel war es, jonglage-inspirierte Aufgaben zu nutzen, um die Mobilität zu erhöhen, Frustrationen zu reduzieren und unterhaltsame, auf wiederholten Bewegungen basierende Übungen zu schaffen, die die physiotherapeutischen Ziele ergänzten.
Hintergrund und Ansatz¶
Handgelenksfrakturen, insbesondere der Karpalknochen, sind bei älteren Erwachsenen aufgrund von Stürzen häufig. Die Genesung ist oft langsam – die Wiedererlangung der Feinmotorik kann sechs Monate oder länger dauern. Als Jonglage-Pädagoge mit fast 30 Jahren Erfahrung und formaler Zirkusausbildung war ich fasziniert von der Herausforderung, Zirkuswerkzeuge zur Unterstützung dieser Art von Rehabilitation anzupassen.
Ich begann mit der Überprüfung der Diagnose und der empfohlenen Übungen des Physiotherapeuten. Mein Ziel war es, diese Aufgaben in spielerische und ansprechende Formate zu kleiden – was ich als „sie in Jonglage-Kleider stecken“ bezeichne. Gleichzeitig wollte ich originelle Bewegungsabläufe einführen, die aus meiner jahrelangen Erfahrung im Unterrichten von Funktionaler Jonglage stammen.

Methodik und Werkzeuge¶
Die Arbeit begann, als die Klientin noch eine Schiene trug, wobei weiche Objekte verwendet wurden, um sanfte Fingerbewegungen zu fördern. Später gingen wir zu komplexeren Werkzeugen und dynamischeren Aktivitäten über. Ich brachte zu jeder 1:1-Sitzung eine breite Palette von Requisiten mit und wählte Werkzeuge aus, die die Handgelenksbewegung stimulieren konnten, ohne sie zu überlasten.
Zu den wichtigsten Werkzeugen gehörten:
- Weiche Bälle: Das Drehen von zwei Bällen in der Handfläche stimulierte die Fingerbeweglichkeit, sowohl während als auch nach der Gipsphase.
- Poi: Wurden in späteren Erholungsphasen für mehrdimensionale Handgelenksbewegungen und Mikrokosrekturen verwendet.
- Jonglierbrett: Ermöglichte offene Sequenzen und Anpassungen wie das Rollen mit nach oben gerichteten Handflächen, um die Handgelenksrotation zu stimulieren.
- Schwebender Stock: Ideal in der frühen Phase aufgrund der eingeschränkten Mobilität; er bot ein Erfolgsgefühl und eine sanfte Stimulation.
Alle Werkzeuge wurden zwischen den Sitzungen bei der Klientin gelassen, um tägliches Üben zu fördern.

Kreative Strategien¶
Inspiriert von Social-Circus-Methoden führte ich ein Mini-Performance-Element ein. Gemeinsam choreografierten wir ein Stück mit dem Titel „Flohzirkus“, unterlegt mit Musik, bei dem zwei Finger Elefanten darstellten, die auf einem Ball balancierten. Dieser spielerische Rahmen erhöhte die Wiederholung, weckte die Fantasie und machte die Übung emotional lohnender.
Die Sitzungen fanden im Haus der Klientin statt, obwohl wir den Wert des Gruppensettings des Inspirál Circus Centers erkannten, wo die Präsenz der Gemeinschaft und vielfältige Reize sehr motivierend sein können.
Wichtige Beobachtungen¶
Mehrere Faktoren trugen zum Erfolg dieses Prozesses bei:
- Die therapeutische Kraft des Gesprächs: Die Möglichkeit, Frustrationen und Triumphe zu teilen, erwies sich als emotional unterstützend.
- Bilaterales Engagement: Wir arbeiteten mit beiden Händen, auch wenn nur eine verletzt war. Dies schuf Möglichkeiten für Vergleiche und kreuzlaterale Aktivierung.
- Die Videoaufzeichnung der Sitzungen steigerte die Motivation, indem sie den Fortschritt sichtbar machte.
- Die Jonglage-Aufgaben halfen, kompensatorische Bewegungsmuster zu identifizieren und aufzulösen, wie z. B. die Initiierung von Handgelenksbewegungen von der Schulter statt vom Unterarm aus.
- Das Poi-Werkzeug verursachte anfangs Frustration – seine Schwierigkeit und gelegentlicher Körperkontakt forderten die Klientin heraus. Wir passten uns an, indem wir zu einem Poi mit Finger Schlaufen für bessere Kontrolle wechselten.

Herausforderungen und Reflexionen¶
Eine große Herausforderung war mein begrenztes anatomisches Wissen – obwohl ich effektive Bewegungsabläufe entwerfen konnte, fehlte mir ein vollständiges Verständnis der komplexen muskuloskelettalen Architektur des Handgelenks. Dies gab mir manchmal ein unsicheres Gefühl.
Für die Klientin war die größte Herausforderung, die Aufgaben nicht gut auszuführen. Doch das Gefühl der Freude und des Sinns, das sie durch die Ballmanipulation empfand – bei der Erfolg greifbar war –, bot einen starken emotionalen Ausgleich.
Ein wichtiger Bestandteil unseres Prozesses war die Erforschung der persönlichen Bedeutung von Verletzungen. Wir diskutierten, wie die Fraktur symbolisch Grenzen, Tempo oder eine Neuausrichtung des Lebens widerspiegeln könnte. Dies brachte sinnvolle Tiefe in unsere Arbeit, die über die körperliche Genesung hinausging.
Schlussfolgerung¶
Diese Zusammenarbeit zeigt, wie Funktionale Jonglage die Rehabilitation auf eine flexible, adaptive und emotional resonante Weise effektiv unterstützen kann. Sie ist kein Ersatz für klinische Versorgung, sondern eine lebenswichtige Ergänzung – die Freude, Geschichten und Spiel in den Heilungsprozess einlädt. Die Klientin setzt ihren Fortschritt nun selbstständig mit ihren eigenen Poi und weichen Bällen fort, nachdem sie neue Motivation und kreative Werkzeuge zur Selbstfürsorge entdeckt hat.