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title: Sicherheit: Ein Schlüssel für Autismus
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authors:
- Eva Parlani
type: Artikel
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Sicherheit als Schlüssel für Autismus¶
Monokyklo - Thessaloniki, Griechenland
Geschrieben von Eva Parlani
Der Anfang¶

Das Monokyklo-Team führte in Thessaloniki Methoden des Funktionalen Jonglierens ein, mit dem Hauptziel, Zirkuskünste für Menschen mit Behinderungen zugänglich zu machen. Das Team bestand aus Trainerinnen mit Hintergründen in der Zirkuskunst und spezifischer Ausbildung im Funktionalen Jonglieren, die sie durch die Teilnahme an internationalen Seminaren und Trainerinnen-Kursen erworben hatten.
Das Projekt mit dem Titel „Ein Ball rollt“ wurde als integrierte Intervention in verschiedenen Tagesförderstätten für Menschen mit Behinderungen (DDCs) in Thessaloniki konzipiert. Es zielte darauf ab, einen kreativen, inklusiven Raum für Ausdruck durch die Sprache des Jonglierens und der Bewegung zu bieten.
Als Facilitatorin mit Erfahrung in Zirkus-Workshops und nach Schulungen in Thessaloniki, Budapest und Mailand trat ich mit dem tiefen Wunsch in das Projekt ein, Zirkuskunst für alle zugänglich zu machen – frei von Ausgrenzung oder Diskriminierung. Mein Fokus als Teamleiterin lag auf der Stärkung der Gruppendynamik und der Schaffung einer sicheren, unterstützenden Umgebung, in der die Teilnehmenden eine ungewohnte Aktivität mit Zuversicht und Wohlbefinden erkunden konnten.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war, dass wir die Teilnehmenden in ihrer eigenen Umgebung besuchten und alle notwendigen Materialien mitbrachten. Dieser Ansatz, der es den Einzelpersonen ermöglichte, in vertrauten und geschützten Räumen zu bleiben, erwies sich als entscheidend für ihr frühes Engagement und Wohlbefinden bei den Aktivitäten. Es wurde deutlich, dass der Respekt vor dem Rhythmus und der Individualität jedes Teilnehmenden sowie die aktive Zusammenarbeit mit den dortigen Pädagog*innen maßgeblich zum Erfolg des Projekts beitrugen.
Der Fall Nikolas¶
Unter den vielen Geschichten, die entstanden, stach Nikolas heraus. Nikolas, etwa zehn Jahre alt, ist autistisch. Er hat eingeschränkte Sprach- und Ausdrucksfähigkeiten und bewegt sich normalerweise nur mit Unterstützung einer Sonderpädagogin durch den Raum. Er war besonders empfindlich gegenüber lauten Geräuschen und plötzlichen Bewegungen, was ihn während unserer ersten Sitzungen vorsichtig und zögerlich machte.
Während unserer ersten beiden Besuche blieb Nikolas auf Distanz. Er näherte sich den Requisiten nicht, und obwohl wir ihn offen und fürsorglich ansprachen, reagierte er nicht auf verbale Interaktion. Seine physische und emotionale Distanz blieb bestehen.
Doch während der dritten Sitzung änderte sich etwas. Zum ersten Mal hob Nikolas die Jonglierbälle auf, suchte Augenkontakt und akzeptierte unsere Anwesenheit. Von diesem Moment an begann sich eine Verbindung zu entwickeln. Er begann, uns mit Vertrauen zu begrüßen, half beim Aufbau des Raumes, probierte neue Kombinationen aus und kehrte selbstständig zu den Requisiten zurück.
Ich glaube, wir konnten Nikolas eine nicht bedrohliche Umgebung bieten – einen Raum, in dem er experimentieren, kreieren, ausprobieren und sogar scheitern konnte, ohne Angst vor Verurteilung. Es war ein sicherer Raum für Selbstdarstellung und Entdeckung, in dem sein Prozess in seinem eigenen Tempo ablaufen konnte.
Von da an verpasste Nikolas keine einzige Sitzung mehr. Er erinnerte sich an die geübten Kombinationen, probierte mit Begeisterung neue aus und zeigte zunehmend Unabhängigkeit bei seiner Erkundung. Mit der Zeit reduzierte er seine Abhängigkeit von seiner unterstützenden Lehrkraft und begann in einem kraftvollen Moment der Verbindung, persönliche Informationen mit uns zu teilen – eine Geste, die tiefes Vertrauen signalisierte.
Durch diesen Prozess erlebten wir eine deutliche Steigerung von Nikolas' Selbstvertrauen, seiner Kommunikationsfähigkeiten und seiner sozialen Offenheit. Seine Reise ist nur ein Beispiel für die transformative Kraft des Funktionalen Jonglierens, sowohl für das psycho-emotionale Wachstum als auch für die körperliche Aktivierung.

Persönliche Reflexion¶
Diese Erfahrung war für mich zutiefst transformativ – nicht nur beruflich, sondern auch persönlich. Ich konnte eine Methode anwenden, an die ich glaube, und gleichzeitig miterleben, wie Zirkus als Werkzeug für Inklusion, Ermächtigung und Kommunikation dienen kann.
Der tägliche Kontakt mit den Teilnehmenden – ihre einzigartigen Reaktionen, ihre kleinen oder großen Siege – erinnerte mich an die Kraft der Einfachheit: die Einfachheit der Bewegung, des Spiels, des präsent Seins.
Dieser Prozess stärkte mich als Trainer*in, als Facilitatorin und als Mensch. Er bekräftigte meinen Glauben, dass Kunst eine Brücke sein kann – ein Werkzeug für Zugang, für Verbindung und für Solidarität*.